Warum verliert unser Geld an Wert?
Du bekommst eine Lohnerhöhung und doch fühlt sich der Einkauf teurer an? Dieser Artikel erklärt verständlich, warum Geld an Wert verliert, wie Fiat-Geld funktioniert, welche Rolle der Cantillon-Effekt spielt und weshalb unser Wirtschaftssystem stetig neues Geld benötigt. Außerdem erfährst du, wie sich das im Vergleich zum Goldstandard auswirkt.
Geld verliert an Wert, wenn die Geldmenge schneller wächst als die Wirtschaft. Im Fiat-System entsteht neues Geld hauptsächlich durch Kredite, das führt langfristig zu Inflation. Der Cantillon-Effekt erklärt, warum diese neuen Geldströme zuerst Banken, Staaten und Kapitalmärkte erreichen, während Löhne später folgen. Ein Goldstandard würde die Geldmenge begrenzen, aber Krisenpolitik erschweren.
Warum verliert unser Geld an Wert?
Inflation, Zinsen und Schulden beeinflussen täglich, wie viel dein Einkommen wert ist. Wer versteht, warum Geld an Wert verliert und wie die Geldschöpfung funktioniert, kann Nachrichten über Zinserhöhungen, Staatshaushalte oder Konjunkturprogramme besser einordnen.
Fiat-Geld – Definition und Mechanismus
Seit dem Ende des Goldstandards im Jahr 1971 – detailliert erklärt im Artikel Goldstandard & Fiat-Zeitalter – basiert unser Geld ausschließlich auf Vertrauen und gesetzlichen Vorgaben. Das bedeutet:
- keine Golddeckung: kein fester Gegenwert
- Geld entsteht durch Kredite: Banken schaffen Buchgeld
- Zentralbanken steuern über Zinsen: sie beeinflussen Kreditvergabe & Geldmenge
Wie Geld entsteht: Der Mechanismus der Geldschöpfung
- Zentralbanken erhöhen Bankreserven, z. B. durch Anleihekäufe.
- Geschäftsbanken vergeben Kredite, dadurch entsteht neues Buchgeld.
- Zinsen steuern Nachfrage: niedrige Zinsen fördern Kreditvergabe.
Mehr Kredite sind wie zusätzliches Wasser im Wirtschafts-See – aber es erreicht zuerst die großen Kanäle: Staaten, Banken und Finanzmärkte.
Der Cantillon-Effekt: Warum Löhne langsamer steigen
Der Cantillon-Effekt beschreibt, dass neu geschaffenes Geld nicht gleichmäßig verteilt wird. Es erreicht zuerst Kapitalmärkte, Unternehmen und Staaten also jene Bereiche, die direkt mit dem Bankensystem verbunden sind. Banken vergeben Kredite an Unternehmen und Investoren, Staaten erhalten frische Liquidität über Anleihekäufe, und Finanzmärkte profitieren sofort durch steigende Vermögenspreise. Erst wenn dieses Geld später in Form von Aufträgen, höheren Unternehmensgewinnen oder Investitionen weitergegeben wird, kommen Konsumgüterpreise in Bewegung und Löhne steigen meist erst ganz zum Schluss. Das führt dazu, dass die reale Kaufkraft sinkt, obwohl das Einkommen nominal steigt.
Warum unser Geldsystem ständig neues Geld benötigt
Unser Wirtschaftssystem basiert auf Krediten. Um stabil zu bleiben, muss es wachsen – und Wachstum braucht neues Geld:
- Zinsen: Kredite müssen mit Zinsen zurückgezahlt werden, aber Zinsen werden nicht mitgeschaffen → neues Geld ist nötig.
- Staatshaushalte: Defizite erzeugen zusätzliche Geldströme.
- Wirtschaftswachstum: Weniger Kredite = weniger Investitionen = Rezession.
Ohne neue Schulden kein neues Geld – ohne neues Geld kein Wachstum. Das erzeugt strukturellen Kaufkraftverlust.
Eine vertiefende Erklärung zu Inflation und Deflation findest du hier: Inflation und Deflation – was wirklich dahinter steckt.
Goldstandard vs. Fiat-System: Das Spannungsfeld
Ein Goldstandard würde die Geldmenge strikt begrenzen, da jede Geldeinheit durch Gold gedeckt sein müsste. Das würde:
- Inflation dämpfen – Geldmenge wächst langsamer
- Krisenpolitik einschränken – weniger Flexibilität für Staaten
- Schulden disziplinieren – dauerhaftes Minus schwer finanzierbar
Offizielle Daten zur Staatsverschuldung findest du beim IWF.
Was bedeutet das für deinen Alltag?
Inflation, Zinsen und Schuldenpolitik beeinflussen deine reale Kaufkraft. Mit dem persönlichen Inflationsrechner von Destatis kannst du prüfen, wie stark deine eigene Teuerung vom Durchschnitt abweicht.
Fazit: Warum Geld langfristig an Wert verliert
Geld verliert an Wert, wenn seine Menge schneller steigt als die Wirtschaftsleistung. Unser kreditbasiertes Fiat-System verstärkt diesen Effekt, weil es strukturell auf Wachstum und stetige Geldexpansion angewiesen ist. Der Cantillon-Effekt verschiebt zusätzlich die Verteilung zugunsten derer, die dem Geldursprung am nächsten stehen.
„Wer an der Quelle sitzt, bleibt trocken – wer am Ufer steht, bekommt die Welle ab. So erklärt sich Geldentwertung im Fiat-Zeitalter.“