Das Ende des Goldstandards
Vom Nixon-Schock zum Fiat-Zeitalter
Wir bezahlen kontaktlos, überweisen per App – und doch fühlt sich Geld manchmal wie „nur Papier“ oder eine Zahl im Online-Banking an. Dieser Artikel erklärt laienverständlich, was „durch Gold gedeckt“ bedeutet, warum die USA 1971 die Goldbindung kappten, wie Zentralbanken heute Geld „aus dem Nichts“ schaffen – und zeigt visuell, wie stark die weltweite Verschuldung seitdem anstieg.
Golddeckung bedeutete: Jede Banknote war ein Anspruch auf eine feste Menge Gold. Am 15. August 1971 setzte US-Präsident Nixon diese Einlösung aus – der Start des Fiat-Geldsystems. Seither stützt sich der Geldwert primär auf Vertrauen und die Fähigkeit der Staaten, Steuern zu erheben und Stabilität zu sichern.
Warum das Thema jetzt?
Inflation, Zinsen, Staatsschulden – all das prägt unsere Kaufkraft. Wer versteht, was die Golddeckung war und warum sie endete, kann Nachrichten besser einordnen: von Zinsschritten der Zentralbanken bis zu Debatten über Schuldenbremsen und Haushaltsdefizite.
Was heißt „durch Gold gedeckt“ – in Alltagssprache
Stell dir einen Gutschein vor: Auf dem Schein steht, dass du dafür eine bestimmte Menge Gold bekommst. Genau so funktionierte Golddeckung:
- Fester Umrechnungskurs: Eine Geldeinheit entsprach einer fixen Goldmenge (z. B. 1 USD = 1/35 Unze Gold).
- Einlösbarkeit: Theoretisch konntest du den Schein bei der Zentralbank gegen echtes Gold tauschen.
- Disziplin: Staaten und Banken konnten nicht unbegrenzt Geld schaffen – die Goldreserven setzten eine harte Grenze.
Warum die USA 1971 die Goldbindung kappten
Ende der 1960er stiegen die US-Ausgaben stark (u. a. Vietnamkrieg, Sozialprogramme). Gleichzeitig flossen viele Dollar ins Ausland. Andere Länder begannen, ihre Dollarreserven in Gold umzutauschen. Die US-Goldreserven schrumpften – das System geriet unter Druck.
Am 15. August 1971 verkündete Präsident Richard Nixon die Aussetzung der Goldeinlösbarkeit des Dollars („Nixon-Schock“). Damit war die harte Bindung zwischen Papiergeld und Gold durchtrennt – der Übergang zum Fiat-Geld begann.
Fiat-Geld: Vertrauen statt Metall
Fiat (lateinisch „Es werde“) bedeutet: Geld hat Wert, weil der Staat es als gesetzliches Zahlungsmittel festlegt – und weil wir alle erwarten, dass andere es morgen ebenfalls akzeptieren. Der Wert beruht damit auf Vertrauen in Regeln, Institutionen und Steuerkraft.
Wie Zentralbanken heute Geld schaffen – kurz & einfach
- Zentralbankguthaben: Die Notenbank erhöht digital die Guthaben der Geschäftsbanken (Reserven) – z. B. durch Anleihekäufe.
- Kredite der Banken: Vergibt eine Bank einen Kredit, entsteht neues Buchgeld auf dem Konto des Kunden.
- Steuerung über Zinsen: Höhere Zinsen bremsen Kreditnachfrage, niedrigere fördern sie – so wird die Geldmenge indirekt gelenkt.
Visuelle Einordnung: Schuldenquoten seit den 1970ern
Die folgende Grafik zeigt schematisch (vereinfachte Darstellung, nicht maßstabsgetreu), wie die Schulden in % des BIP in wichtigen Volkswirtschaften seit den 1970ern deutlich angestiegen sind. Sie dient als anschauliche Illustration für den Wandel im Fiat-Zeitalter.
Hinweis: Schematische Darstellung zur Veranschaulichung des Trends (nicht maßstabsgetreu, keine exakten Datenpunkte).
Was heißt das für den Alltag?
Im Fiat-System zählen klare Regeln und glaubwürdige Institutionen. Für dich heißt das: Achte auf Inflation, Zinsen und Schuldenpolitik – sie bestimmen, wie viel deine Ersparnisse morgen wert sind, wie teuer Kredite werden und wie stabil Preise bleiben.
Fazit
Unter Golddeckung war der Geldschein ein Anspruch auf Metall. Seit 1971 leben wir im Fiat-Zeitalter: Geld ist ein Vertrauensvertrag, gesteuert über Regeln, Zinsen und Fiskalpolitik. Die (schematisch gezeigte) Schuldenentwicklung macht sichtbar, wie sich finanzielle Spielräume seitdem verändert haben – mit Chancen und Risiken.
„Früher vertrauten wir dem Glanz des Goldes – heute dem System dahinter. Vertrauen regiert das Geld.“